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Lüge, List und Leidenschaft

Ein Plädoyer für die Politik, unterlegt mit 14 Reden, erschienen im Herbst 2007

Lüge List und LeidenschaftVorwort

Provoziert von Bloggern und Professoren

Zu diesem Buch animierten mich eine Gymnasiastin, ein junger Gemeindeparlamentarier und zwei Professoren.

Die Gymnasiastin fragte in einem Brief, wie ich es psychisch aushalte, ständig Kompromisse eingehen zu müssen. Der Gemeindeparlamentarier verzweifelte in meinem Blog an seiner mangelnden Durchsetzungskraft gegenüber verkrustetem Denken. Der Literaturprofessor bezieht sich auf den Soziologieprofessor und behauptet, in der Politik sei man gezwungen zu lügen.

Sie haben mich dazu veranlasst, über die politische Welt, in der ich lebe, nachzudenken und mich zu erklären.



Ja, in der Politik wird gelogen. Ich weiss, wie im politischen Alltag um Macht und Einfluss gekämpft wird. Trotzdem bin ich gerne Politiker und will auch andere davon überzeugen, sich politisch einzubringen. Warum mache ich das? Ich will nicht einfach mit dem uneigennützigen Einsatz für die öffentliche Sache argumentieren, mit dem edlen Kampf für eine bessere Welt. Das wäre wohl schon eine kleine Lüge, denn Politiker drängen doch auch für ihre eigenen Interessen in das öffentliche Rampenlicht, und sei es auch nur, weil sie gefallen wollen oder Freude an der Macht haben.

Ja, in der Politik kann man die eigene Gesinnung oft nicht durchsetzen und muss Zugeständnisse machen. Trotzdem bin ich zutiefst überzeugt von der Notwendigkeit des Kompromisses und halte nichts vom Kult der Kompromisslosigkeit. Ohne Kompromiss gäbe es die Eidgenossenschaft nicht, ohne Kompromiss könnte es gar keinen Frieden geben.

Ja, in der Politik kann einer allein kaum etwas bewirken, und sein sachliches Argument allein bewegt selten etwas. Politik lebt von Stimmungen und Gefühlen. Wer gehört werden will, muss den Weg in die Medien finden und sich inszenieren.

Das alles war Politik schon immer, und das darf sie auch sein, aber nicht nur, denn Politik ist mehr. Was ist Politik? Was rechtfertigt die grosse Leidenschaft, die viele für sie aufbringen?

Ich erkläre nicht, wie Institutionen funktionieren, sondern beschreibe mit Beispielen, wie ich Politik erlebe, schildere Gewissenskonflikte, in welche die Tagespolitik führt. Ich trete der These entgegen, wonach die Ethik in der Politik eine andere sei als diejenige im privaten und beruflichen Alltag, und ich folgere daraus, dass der politische Einsatz sowohl eine Tugend der Demokratie als auch eine persönliche Bereicherung ist, auch wenn er mit der Gefahr verbunden ist, sich die Hände schmutzig zu machen.

Das Buch besteht aus zwei Teilen, die sich gegenseitig ergänzen: Im ersten Teil, im «Plädoyer», stelle ich Gedanken, zu welchen ich in Diskussionen an Schulen und an öffentlichen Veranstaltungen gelangt bin oder die ich in Reden entwickelt habe, in einen systematischen Zusammenhang.

An solchen Anlässen kann auf ein einzelnes Thema anschaulicher und auch unterhaltender eingegangen werden. Deswegen werden einige Überlegungen des Plädoyers in einem zweiten Teil mit vierzehn Reden unterlegt. Auf sie wird jeweils verwiesen. Wer also einen skizzierten Bereich gründlicher und aus anderen Blickwinkeln ausgeleuchtet haben will, kann sich der entsprechenden Rede zuwenden – während oder nach der Lektüre des Plädoyers. Einige Verweise beziehen sich auf Reden in meinen anderen beiden Büchern.