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Zu Bruno Ganz

25.1. - An den Solothurner Filmfesttagen

Eigentlich ist es ja merkwürdig, dass an kulturellen Veranstaltungen immer wieder der Wunsch geäussert wird, dass ein Politiker das Wort ergreifen soll.

Offenbar gibt es irgendwie doch noch Hoffnung in die Politik. Ich freue mich darüber.

Ich gestehe Ihnen umgekehrt, es gibt auch eine gewisse Hoffnung der Politik in die Kultur.

Die politischen Worte sind zwar oft etwas unverbindlich.

Von einem Politiker erwarten Sie über Bruno Ganz wohl etwa den Satz: „Bruno Ganz ist für die Schweiz der Roger Federer der Kultur“ oder ähnliches.

Und wenn die Worte der Politik für einmal verbindlich sind, schmerzen sie oft – die Pro Helvetia hat das erfahren.

Dennoch erlaube ich mir ein Wort an Bruno Ganz:

Bruno Ganz erhält heute keinen Preis - ausnahmsweise muss man sagen. Deswegen auch keine laudatio, in der der Politiker dem Schauspieler in Erinnerung ruft, was er schon alles gespielt hat.

Wir erleben auch keine Uraufführung, wo der Politiker Bruno Ganz dafür danken könnte, dass er den Politikern ein menschliches Gesicht gibt, wenn er sie spielt, obwohl genau das durch andere kritisiert wird.

Bruno Ganz ist nicht wegen sich selber da, sondern er würdigt eine schweizerische Kulturveranstaltung und dies erachte ich als einen politischen Akt und zwar aus folgendem Grund:

Ich habe als Politiker eine persönliche Verbindung zu Bruno Ganz. Sie ist fast so alt wie das Solothurner Filmfestival, nämlich 40 Jahre.

Bruno Ganz hat in der so genannten Aera Löffler am Zürcher Schauspielhaus zusammen mit Peter Stein am eigenen Leib erfahren, was Schweizerische, präziser gesagt Zürcherische Politik sein kann. Die damaligen Jagdszenen des etablierten Zürich gegen die Equipe des Schauspielhauses richteten sich nicht einfach gegen kulturelles Schaffen, sondern gegen eine ganze Generation, die sich an der Gestaltung unseres Landes beteiligen wollte. Eine in jeder Hinsicht erfolgreiche Arbeit wurde aus bornierter Ideologie sabotiert, verfolgt und schliesslich verunmöglicht. Wenn der Zürichberg seine brodelnde Lava ausspeit, kann es mitunter brutal und für einige ganz unangenehm werden.

Bruno Ganz, der damals in der legendären Aufführung von Peter Stein Tasso spielte, hat das erfahren. Er ist mit den damals Vertriebenen solidarisch gewesen und hat Zürich und der Schweiz vorerst mal den Rücken gekehrt. Bruno Ganz kam mit Amerika in Beziehung – wir sehen dies gleich anschliessend -, er war in Lissabon, in der weissen Stadt, in Venedig mit Tulpen und Brot. Das konnten nicht alle. Andere mit anderen Berufen sind da geblieben und habe an einer Schweiz gearbeitet, wie sie sich diese vorstellen.

Das war nicht immer leicht und oft sind sie in der Minderheit geblieben. Dennoch, sie konnten die Schweiz verändern. Sie ist heute nicht mehr dieselbe, wie vor 40 Jahren, das zeigen uns die Solothurner Filmtage – und selbst auf der Asche des Zürichberges ist eine politisch neue und fruchtbare Schicht entstanden.

Bruno Ganz ist zurückgekommen und hat am Bild einer anderen Schweiz mitgearbeitet, ich denke an den Erfinder mit Kurt Gloor und viele andere Engagements. Die Schweizerische Kulturszene und damit eben auch die Schweiz sind in den letzten 40 Jahren anders geworden.

Doch wissen wir alle, eine solche Veränderung ist nie für alle Male erreicht. Die Diskussion um Hirschhorn zeigt uns das. Und es gibt ja auch politische Veränderungen, die auch Sie bemerkt haben, Veränderungen die uns hellhörig machen und die uns zeigen: Was damals mit Peter Stein geschah, kann sich immer wiederholen. Einmal ist es ein Regisseur und seine Truppe, einmal ein bildender Künstler, Sie alle kennen weitere Beispiele.

Sie haben Erwartungen an die Politik, zu Recht, ich hoffe es sei mehr als nur die Hoffnung auf finanzielle Versprechen. Vergessen Sie aber bitte auch nicht, es gibt eine Politik, die hat eine Erwartung in die Kultur. Bitte, lassen Sie diese Politik nicht im Stich.

Die Solothurner Festtage jedenfalls tun das nicht. Sie sind eine politische Veranstaltung und die Präsenz von Bruno Ganz ist ein politisches Manifest.

Ich danke ihm, dass er gekommen ist.