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Gegen die Glorifizierung der Reformation

Die Tugend der sozialen Verantwortung

Verleihung der Lutherrose an Dieter Pestalozzi im Grossmünster

Zürich, 17. November 2014

Moritz Leuenberger

 

Sehr geehrte Damen und Herren

Sehr geehrte Gäste aus dem Norden

 

Es freut uns alle sehr, dass Sie heute mit einer Rose nach Zürich gekommen sind. (Vorläufig ist sie ja noch nicht übergeben, noch gehört sie uns allen etwas.)  Es freut mich auch, dass ein Politiker zur Ansprache geladen wurde und dass Politikerinnen und Politiker aus unserem Nachbarland und aus Zürich mit uns sind.

 

Es waren Politiker, eine Minderheit von Fürsten, die sich mit Luther und Zwingli in einer sogenannten „Protestation“ solidarisierten und so dem Protestantismus seinen Namen, einen politischen Namen gaben.

 

Martin Luther selber hätte Huldrych Zwingli allerdings kaum eine Rose überreicht. Die beiden gingen nach einem Streit in Marburg ums Abendmahl nicht gerade sehr versöhnt auseinander.

„Ihr habt einen anderen Geist!“ soll Luther Zwingli gescholten haben.

 

Und selbst wenn Martin Luther eine Rose nach Zürich hätte bringen wollen, hätte er dies gar nicht gekonnt. Der Reichstag zu Worms hat ihn 1521 unter den Reichsbann gestellt. Nur in Sachsen konnte er sich einigermassen frei bewegen - unter Polizeischutz seines sächsischen Kurfürsten Friedrichs des Weisen. Auch bei der Begegnung zwischen Luther und Zwingli in Marburg gab es Polizeischutz.

 

Schon diese Umstände zeigen: Wir können für die heutige Bedeutung der Lutherrose kaum direkt an den damaligen Geschehnissen anknüpfen. Zu gross reicht die Spannweite von den Wurzeln des Rosenstocks bis zu den heutigen Blüten. Damals dauerte eine Reise von Erfurt oder von Wittenberg nach Zürich länger als ein heutiger Flug nach New York - ob man nun dort in einer Bank geschäftet oder sich danach vor einem Gericht verantworten muss. Briefsiegel, wie die Lutherrose eines war, können wir als Signaturen mit Symbolen aus dem Internet laden. Es gibt zwar auch Rosen, aber hauptsächlich lächelnde Sonnen. Im Tessin wurden zu jener Zeit Protestanten verfolgt. Sie fanden auf Betreiben von Bullinger in Zürich Asyl. Darunter gab es Namen wie etwa Pestalozzi (nein, wir sind noch nicht beim Preisträger). Später waren das  auch Hugenotten aus Frankreich, die dann aber sehr gerne nach Deutschland weiterzogen. 

 

Der Clash der Religionen fand innerhalb von Europa statt, bei uns in der Schlacht zwischen Katholiken und Protestanten in Kappel, wo Zwingli fiel und mit ihm sein Traum einer reformierten Eidgenossenschaft.

Den mörderischen Zusammenprall von Religionen, Konfessionen und Glaubensrichtungen verfolgen wir heute von ferne und sind als Weltbürger in grösster Sorge. Dass es Ähnliches grundsätzlich auch in unseren Breitengraden gab, wird uns nur noch bei Jubiläen bewusst. Heute hat Zürich jedenfalls bereits zwei katholische Stadtpräsidenten (Bürgermeister) ohne jeden Schaden überlebt.

 

Die Reformation hat Vieles eingeleitet und ausgelöst, für das wir sie heute rühmen. Doch sie ist auch eine schmerzvolle Geschichte mit historischen Fakten, die uns heute nicht so angenehm sind und die wir nicht einmal immer aus der damaligen Zeit erklären können: Auch Protestanten verbrannten Bücher. Und sie verbrannten Hexen. Auch Protestanten führten im Namen ihres Glaubens Krieg. Mit den Aussagen von Reformatoren zu den Juden werden sich Kirchenvertreter immer und immer auseinandersetzen müssen, so wie kürzlich der abtretende Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider in einem Interview in der Welt.

 

Die Reformation wird für manche der heutigen Errungenschaften als Grundlage gerühmt, für die Aufklärung, den Liberalismus, das rote Kreuz, den  Kapitalismus (wenigstens für den, der von protestantischer Ethik durchdrungen sei). Doch welche heutigen Errungenschaften sind ursächlich auf die Reformation zurückzuführen? Die Religionsfreiheit? Unabhängige Universitäten? Die mehr oder weniger erfolgte Trennung von Kirche und Staat? Die Menschenrechte? Der Sozialstaat?

 

Gewiss, die Reformation hat vieles deblockiert und einige Wellen losgetreten. Aber hätte sich die Welt nicht auch ohne Reformation in dieser Richtung entwickelt? Wir wissen, dass Reformideen nicht überall zu einer Sezession führten. In Spanien aber konnten sie innerhalb der katholischen Kirche erblühen. Die Mystikerin Teresa von Ávila konnte sogar einen eigenen Orden gründen, bevor dann die Inquisition die gelebte Toleranz zwischen den Religionen endgültigzerschlug.

 

Wir wollen uns in Demut hüten, alle Fortschritte der Menschheit auf die Reformation zurück zu führen. Die Reformation hatte immer viele Gesichter. Diese Gesichter sind von Theologen, Historikern, Soziologen – und heute Nachmittag von Botschaftern und Ministerpräsidentinnen – analysiert und gewürdigt worden.

Es gab viele Reformatoren, nicht einen. Allein in der Schweiz denken wir spontan an Zwingli, Calvin, Bullinger und andere.

Zudem gab es viele Wege, welche die Reformation ging und geht, bei ihrer Entstehung, während ihrer langen Geschichte bis in ihre heutigen Verästelungen. Als generelle Linie können wir über die Jahrhunderte immerhin beobachten, wie zunächst die weltliche gegen die kirchliche Obrigkeit, danach das individuelle Gewissen gegen Obrigkeiten im Allgemeinen gestärkt wurde. Der Reformation wohnt ein antiautoritärer Zug inne. Das ist natürlich ein subjektiv gefärbter politischer Deutungsversuch eines alt 68ers.

Wirklich konfrontiert war ich während meiner Arbeit als Politiker mit zwei Thesen Max Webers, auch wenn diese heute natürlich auch Widerspruch erfahren.

 

Die eine, der Zusammenhang zwischen protestantischer Ethik und einem Geist des Kapitalismus, könnte sich als Brücke für die Übergabe der Rose an einen Unternehmer auf den ersten Blick eignen. Aber ich frage mich aber manchmal: Hat sich der Kapitalismus mit moralischer Verantwortung tatsächlich dank protestantischer Ethik entwickelt oder könnte sich nicht umgekehrt die Reformation dort ausgebreitet haben, wo der Kapitalismus der Benediktiner und Zisterzienser bereits Wurzeln geschlagen hatte?

 

Sie haben heute Nachmittag bereits ausführlich darüber debattiert, und ich will nichts wiederkäuen. Seit heute Nachmittag ist alles gesagt.

Wer übrigens heute Nachmittag keinen Ausführungen zur protestantischen Arbeitsmoral lauschen konnte, findet über dem Südportal des Grossmünsters eine Inschrift, auf die Max Weber hätte verweisen können. Da steht der von Zwingli übersetzte Satz von Matthäus 11, 28: "Kommend här, die arbeytend und beladen sind / ich wil euch růw geben." Luther übersetzte dasselbe mit, „Kommt her, die ihr mühselig und beladen seid“. In Zürich ist also nicht die „Mühsal“, sondern die „Arbeit“ Voraussetzung, um ins Münster zu dürfen.  

 

Die andere, ebenfalls heute noch allgegenwärtige Überlegung Webers, scheint mir als Brücke zur Rosenverleihung geeigneter, die Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik.

 

Die Differenzierung in Verantwortungs- und Gesinnungsethik wurde zum Teil zu einer eigentlichen Unvereinbarkeit stilisiert. Ethische Gesinnung und verantwortliche Umsetzung seien inkompatibel. Ein aktiver Politiker könne gar keine ethische Gesinnung verfolgen, weil ihn die Realität zwinge, lügen zu müssen.

Jedoch findet sich bereits bei Max Weber selber ein Ansatz, dass Gesinnung und Umsetzung aufeinander angewiesen sind.

Sie bilden die beiden Brennpunkte der Ellipse einer verantwortungsvollen Politik. Jeder Politiker, ob Stimmbürger oder Regierungsmitglied, stützt seine Umsetzungsentscheide auf eine grundsätzliche Gesinnung, die er pflegt und die er an jedem Einzelfall schärft.

Jeder, der sich vorstellt, wie die Welt oder der Staat aussehen sollte, ist auch verantwortlich dafür, wie die Gemeinschaft tatsächlich ausgestaltet werden kann und muss. Auch wenn sich die Kirche, NGOs oder die „Intellektuellen“ hauptsächlich auf Fragen der Gesinnungsethik konzentrieren, kommen sie um die Fragen nicht herum, wie ihre Überzeugung in Taten umgesetzt wird. Auch Luther hat es nämlich keineswegs beim schönen „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ belassen. Ein Pfarrer ist auch Stimmbürger. Der Politiker ist auch Mitglied einer Kirche – und wenn er es nicht ist, so beruft er sich dennoch auf ein Weltbild, das in unseren Ländern hauptsächlich in christlich – jüdischer Tradition wurzelt.

  

Die beiden Brennpunkte der Gesinnung und der Umsetzung zeigen sich auch in der Reformation selber:

Es gibt Thesen, zum Beispiel die 95 Thesen, welche mit Hammerschlägen an die Kirchentüre von Wittenberg geschlagen worden seien.

Und es gibt die Umsetzung des reformatorischen Glaubens, die verantwortungsvoll wahrgenommen wurde und zwar mit sehr nachhaltiger Wirkung. Das betrifft Luther, Zwingli, Calvin, Bullinger und andere:

  • Die Almosenordnung der Stadt Zürich aus dem Jahre 1525 ist sehr direkt auf Zwingli zurückzuführen. Sie schrieb einen so genannten „Mueshafe“ vor, aus dem sich die Armen und Bedürftigen ernähren konnten – und zwar einheimische und fremde!

Selbstverständlich war die Fürsorge für die Armen keine Erfindung der Zürcher Reformation. Die mittelalterliche Kirche hatte bereits Vorbildliches geleistet. Neu war, dass die Almosenordnung durch den Staat erlassen wurde. Es war der Kirchenmann Zwingli, der darauf gedrängt hatte. Auch sein anderes Anliegen hat die Stadt umgesetzt, nämlich das gleichzeitige Verbot des Bettelns und des Bezuges von privaten Almosen.

Es wurde so eine staatliche Sozialhilfe eingeführt und wurde zum Vorläufer des späteren Sozialstaates.

(Im Mueshafe steckt übrigens das schweizerdeutsche Wort Müesli, der globale Begriff für Frühstück und Fitness, den man also auch auf die Errungenschaften Reformation zurückführen könnte...

Das andere Schweizerdeutsche Wort, das globale Karriere machte, ist der Putsch, entstanden beim Züriputsch von 1839. Er ist also nicht auf die Reformation zurückzuführen!)

 

  • In Genf nahm Calvin die Politik und die Wirtschaft vor 500 Jahren in die Pflicht: Damit Arme und Arbeitslose Beschäftigung fänden, erreichte er einen Kredit der Stadt Genf, um eine Tuch- und Samtfabrikation zu errichten. Getrieben von Calvin tat Genf damals das, was in Zeiten von Krisen noch heute aktuell ist, es liess mit Konjunkturpaketen die Wirtschaft erblühen.
  • Bullinger anerkannte, wie vor ihm Luther und Zwingli auch, dass Zinsen erhoben werden dürfen. Jedoch setzte er sich dafür ein, dass dieser Zins möglichst klein gehalten werden müsse. 5 % schienen ihm angemessen. Heute noch ist der Verzugszins im schweizerischen Obligationenrecht auf 5% festgesetzt. Das ist ein Kompromiss, der für die so genannte Verantwortungsethik typisch ist. Da ist über einen Bogen von 500 Jahren ein Mass für ethisch verantwortbare Renditen gefunden worden, was zugleich das Geheimnis für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg bedeutete.  Denn beides - sowohl die Erlaubnis eines Zinses als auch die Grenze, die ihm gesetzt wurde, war für die wirtschaftliche Entwicklung Zürichs bedeutsam.

 

Fundamentale Überzeugungen, gepaart mit dem Mut zur Tat, prägen die Reformation. Ihre, wie Max Weber es nennen würde, Verantwortungsethik hat direkt zu Gesetzen geführt, die im Grundsatz heute noch wirksam sind: Das Recht auf ein soziales Existenzminimum, Konjunkturprogramme, Zinslimitierung.

 

Es gibt heute die Meinung, eine soziale Ordnung könne man allein mit Normen und Gesetzen organisieren. Ansinnen für karitative Leistungen werden hierzulande mit dem Spruch verhöhnt: „Der Pestalozzi ist gestorben.“ (Keine Angst, wir sind immer noch nicht beim Preisträger.)

 

Mitmenschlichkeit kann nicht amtlich verordnet werden, sondern baut auf Eigenverantwortung, auf Freiwilligkeit, auf dem Einsatz der Citoyens. Der Staat kann eine soziale Gemeinschaft nicht nur mit Gesetzen und Polizeigewalt erschaffen.

Der tschechische Schriftsteller Karel Capek bekannte in einem Manifest: „Ich kann kein Kommunist sein, weil die Moral des Kommunismus keine Moral der Hilfe ist", sondern der politischen Organisation, der systematischen Gleichheitsideologie.

Wenn der Staat jede Ungleichheit ausgleicht und alles und jedes durchorganisiert, sehen die Bürger keinen Grund mehr, freiwillig soziale Verantwortung zu übernehmen.

 

Die bürgerlichen Initianten der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft fanden: Im „kalten und unwohnlichen Staat" stelle die private Fürsorge die „wärmende Kraft" dar und sei als Bollwerk „gegen den alles überwuchernden Staatssocialismus" unentbehrlich.

 

Deswegen hatten die Staatsbürger der SGG die Überzeugung, dass die Bürger und vor allem die Unternehmer eine soziale Verantwortung wahrzunehmen hätten.

Diese Überzeugung verbreitete sich und prägte in unserem Land das Selbstverständnis von Handel und Gewerbe und des Kapitalismus während Jahrzehnten entscheidend. Getrieben wurde diese Haltung indirekt auch durch den ideologischen Konkurrenten, den Kommunismus, der eine soziale Gesellschaft staatlich organisieren wollte.

 

Diese moralische Herausforderung des Kapitalismus’ ist mit dem Mauerfall gewichen. Der Konkurrent ist verschwunden.

So wuchs eine einseitige Orientierung an ökonomischen Werten, die zu Exzessen, Stichwort Boni,  führte. Sie hat nicht nur Finanzkrisen ausgelöst, sondern gefährdet auch den inneren Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

 

 

Eine Ökonomisierung, eine eigentliche Ökonomanie sämtlicher Lebensbereiche hat Platz gegriffen. Der Schutz der Umwelt wird ökonomisch begründet. Die Hilfe an Menschen in Afrika wird mit unseren ökonomischen Interessen begründet. Die Prä-Implatatations-Diagnose (PID) wird von der Nationalen Ethikkommission NEK ökonomisch begründet.

 

Andere Werte wie die Natur, die Selbstachtung, die Liebe, die Solidarität oder soziale Verantwortung sind nicht verinnerlicht. Der Wert eines Menschen besteht weder in seinem Einkommen noch in seinem Versicherungswert. Allein schon das der Begriff „Wertediskussion“ oder der Ausdruck „andere Werte“ ist im Grunde genommen entlarvend: Wert lehnt sich einer wirtschaftlichen Skala an, der Begriff Tugend hat schon einen moralinsauren Beigeschmack. Doch ohne Tugenden gibt es nie eine soziale Gemeinschaft.

 

Um diese Überzeugung zu schärfen und um die Tugend der sozialen Verantwortung zu fördern und zu ehren, übergibt die Lutherstiftung die Lutherrose. Heute tut sie das im Land der Alpenrosen.

 

Mit der „Lutherrose für gesellschaftliche Verantwortung und Unternehmer Courage“ ehrt die Internationale Martin Luther Stiftung „Persönlichkeiten, die in beispielgebender Weise mit ihrem Leben und beruflichem Wirken die reformatorische Tradition von Freiheit und Verantwortung für das Gemeinwohl eingesetzt haben“.

 

Dahinter steht die Erkenntnis, dass unsere Gesellschaft auf Unternehmerinnen und Unternehmer angewiesen ist, die „die Initiative mutig ergreifen [...,] fair und vertrauensvoll kooperieren [...,] Gewinne verantwortungsvoll erwirtschaften und verwenden.“

 

Dass die Rose des deutschen Reformators Martin Luther dem Schweizer Reformierten Dietrich Pestalozzi übergeben wird, ehrt auch alle Schweizer Protestanten und wir möchten uns für diesen Beweis einer innerprotestantischen Ökumene bei unseren deutschen Freunden herzlich bedanken. Dietrich Pestalozzi vertritt als Unternehmer eine Überzeugung, die in der Reformation verwurzelt ist, die Überzeugung nämlich, dass Freiheit Verantwortung bedeutet und dass sich diese Verantwortung am Gemeinwohl orientiert. Dieter Pestalozzi hat gesagt, er könne den Geschäftsmann und den Christen in sich nicht „auseinanderdividieren“. Das heisst mit anderen Worten nichts anderes, als dass er sich sowohl der Gesinnungs- als auch der Verantwortungsethik bewusst ist und die beiden eben nicht trennen kann.   Unternehmerische Freiheit verantwortungsvoll wahrzunehmen, ist in einem Unternehmen wohl ähnlich schwierig wie in einer Regierung. Gewiss ist es ein Privileg, in ein bestehendes Unternehmen einzutreten. Doch dieses Privileg ist auch eine Verpflichtung gegenüber einer Firma, die auf 200 Jahre Tradition und auf langjährige Beziehungen zu Angestellten und Kunden zurückblicken kann.

 

Dieter Pestalozzi hat sich vorstellen können, Pfarrer zu werden. Das soll kein Lob sein, denn solche Fälle gibt es auch in der Politik und nicht immer ist es eine Rose wert. Das Lob gilt eher Taten, die zum Beispiel darin bestanden, dass das Unternehmen in den neunziger Jahren  konsolidiert werden musste und dass trotzdem auf den Gang an die Börse verzichtet wurde.  Das war ein verantwortungsvoller Akt, der das schnelle Geld mied, sich dafür aber Freiheit und Verantwortung zu wahren. Wer nicht von Quartalszahlen gehetzt wird, hat es leichter, langfristig und nachhaltig zu planen und er kann seine eigene Firmenkultur wahren.

 

Als die Firma in den für sie schwierigen Neunzigerjahren nicht umhin kam, Entlassungen vorzunehmen, bemühte er sich darum, möglichst sozial verträgliche Lösungen zu finden und, wo nötig, für die Entlassenen auf Firmenkosten eine neue Stelle zu suchen.

 

Soziale Verantwortung hat die Firma auch im Hinblick auf die „Nachwuchsförderung“ wahrgenommen: 10% der 300 Angestellten sind Lehrlinge, die mit verschiedenen Anreizen, wie dem Stiftipriis gefördert werden. Dietrich Pestalozzi hat sich in verschiedenen kirchlichen Gremien engagiert, leitete das Aktionsfeld „Unternehmenskultur & -ethik“ des Lilienberg Unternehmerforums.  Mit seiner Firma hat Dietrich Pestalozzi eine Vielzahl von Vereinen und Institutionen aus Musik, Sport und Soziales unterstützt.

 

Das alles entspricht der wärmenden Kraft, die der persönliche Einsatz von Bürgern und Unternehmern unserer Gesellschaft bringt. Er sei bedankt mit einer Rose, einer Lutherrose.