Ohnmacht in Zeiten des globalen Wandels
Ohnmachtsgefühle in Zeiten des globalen Wandels
Tagung zu globalen Spannungen,
Winterthur, 31. Oktober 2025
Die globalen Umwälzungen, wie wir sie gegenwärtig erleben, sind die Folgen vorheriger Wandlungen.
Zwei dieser Veränderungen konnte ich als Zeitzeuge miterleben.
Das war, zuerst,
- 1961, der Bau der Berliner Mauer.
Ich reiste als Jugendlicher hin, um Augenzeuge zu werden. Als Inhaber des Schweizerpasses konnte ich täglich mehrmals von West- nach Ostberlin und zurück und mit all den Betroffenen hüben und drüben reden, die das nicht konnten.
An der Mauer drückte Kennedy die Solidarität der USA mit Westeuropa mit dem Schlusssatz aus:
„Ich bin ein Berliner!“
Die Rede hat mich als Jugendlichen fasziniert und auch etwas geprägt. Ich bewunderte den rhetorischen Aufbau und den einprägsamen Slogan.
Die zweite Veränderung war,
- 1989, der Fall der Berliner Mauer.
Ich reiste mit meinem 14-jährigen Sohn hin, damit er Augenzeuge des Epochenwechsels werde.
Später, 1994, formulierte Bill Clinton sein Bekenntnis in Berlin so:
"Amerika steht an Ihrer Seite, jetzt und für immer. Nichts wird uns aufhalten. Alles ist möglich. Berlin ist frei.»
Ich war von dieser Rede als bereits aktiver Politiker schon damals enttäuscht. Ich störte mich an diesem enthusiastischen «Alles ist möglich.»
Beide Bekenntnisse der zwei US-Präsidenten
- «Ich bin ein Berliner» und
- «Alles ist möglich.»
entsprachen dem damaligen Zeitgeist im Westen und sie wurden
zu einem Symbol der jeweils folgenden Epoche.
In der ersten Epoche (nach dem Bau der Mauer)
musste und wollte der Kapitalismus im kalten Krieg beweisen, dass er dem Kommunismus moralisch überlegen ist. Die Wirtschaft nahm Verantwortung wahr
- ausserhalb ihrer unmittelbaren Interessen.
- Sie ging soziale und gemeinnützige Engagements ein.
In der zweiten Epoche (nach dem Fall der Mauer) löste sich diese moralische Verpflichtung allmählich auf.
- Die soziale Marktwirtschaft wurde von der Schule aus Chicago verdrängt.
- Gleichzeitig (und zum Teil auch als Reaktion darauf) wurden internationale Regeln geschaffen, von der OECD, von der UNO, es entstanden Umweltübereinkommen zur Biodiversität, zu grenzüberschreitenden Abfalltransporten (Basel Konvention).
- Es gab Anstrengungen mit dem Ziel, Krieg zu verhindern. Die EU als solche war ein solches Projekte.
- An der Hoffnung auf Frieden wurde ernsthaft gearbeitet.
Die gegenwärtige Zeit erscheint uns als eine dritte einschneidende Umwälzung.
- Internationale Handelsregeln werden durch die Macht des Stärkeren abgelöst.
- Strafzölle gegenüber Brasilien, weil Bolsonaro strafrechtlich verfolgt wird,
- Strafzölle gegen die EU, weil sie Google mit einer Kartellstrafe (aufgrund internationaler Regeln) belegt.
- Technologien (Digitalisierung und KI) werden dazu genutzt, nationale und internationale Rechtsordnungen auszuhebeln, etwa die über das geistige Eigentum.
- Die Gewaltenteilung und andere rechtsstaatlich Prinzipien werden ausgehebelt, auch in westlichen Demokratien.
- Es erstarken autoritäre Diktaturen, die ihre Länder zur persönlichen Bereicherung ausbeuten und Krieg als eine legitime Form der Politik (ohne das Kriegsvölkerrecht zu achten).
Ohnmachtsgefühle
Das verunsichert und schafft Ohnmachtsgefühle, auch bei politischen Leadern. Jean Claude Junker (der ehemalige EU-Kommissionspräsident) bekennt, am Boden zerstört:
«Ich habe mich geirrt, ich bin enttäuscht.»
Halten wir zunächst fest: Ohnmachtsgefühle sind keine Schande.
Es gibt objektive Gründe, die sie rechtfertigen:
- Wenn die Bundespräsidentin bei drohenden Zöllen damit argumentiert, «Die Schweiz ist ein kleines Land.» ist das ja nicht falsch und zeigt:
- Sogar sie in ihrem Amt fühlt sich ohnmächtig.
- Hingegen unterstreicht die höhnische Reaktion des US-Präsidenten auf ihr vielleicht etwas hilfloses Eingeständnis, ein kleines Land zu vertreten, die neue Werteordnung des Stärkeren gegenüber dem Kleineren.
(Vorher, unter Obama oder Biden, war dieses Verhältnis von einer zivilisierten Achtung geprägt.)
- Verständlich sind auch die Ohnmachtsgefühle eines ganzen Landes, wenn in der Nacht auf den Nationalfeiertag 39% höhere Zölle erhoben werden.
- Ebenfalls ohnmächtig fragen sich alle, die über die vielen Kriege rund um die Welt entsetzt sind, mit ihren Opfern leiden:
«Was kann ich denn tun? Macht meine Spende überhaupt noch einen Sinn? Und wenn ja, wohin soll ich sie bezahlen? Welche Opfer verdienen mein Mitleid mehr als andere Opfer?»
- Ein weiteres, anderes Gefühl von Ohnmacht stellt sich gegenüber technologischen Entwicklungen ein.
- Es fühlt sich ohnmächtig, wer mit einer Firma nur noch online kommunizieren kann,
- keine Telefonnummer, um mit einem Menschen zu sprechen, kein Schalter ist mehr geöffnet,
- nur noch vorgefertigte Fragen können beantwortet werden, Fragen, die gar nicht gestellt wurden.
- Begleitet von der flötenden Stimme eines Bots: «Wir nehmen Ihr Anliegen ernst.»
Solche Verunsicherungen führen ihrerseits zu weiteren Veränderungen:
Verunsicherte und Machtlose haben das Bedürfnis nach einfachen Lösungen und sie wollen klare Antworten.
Einfache Antworten bilden ein wesentliches Element des Populismus.
Die populistischen Rezepte bestehen oft in Schuldzuweisungen und peitschen zu Konfrontation auf.
Es entwickeln sich so langsam bipolare Zweiparteiensysteme mit politischen Lagern, die sich gegenseitig hassen.
Der demokratische Dialog verkümmert in manchen Demokratien, dies- und jenseits des Atlantiks.
Wie sollen wir reagieren?
- Was ist unsere Stellung in der Weltpolitik?
- Wie gehen wir damit um? Was sind unsere Stärken?
Unsere Stellung in der Welt
Die Schweiz allein ist klein, ihre Macht ist begrenzt.
Sie sollte jedoch mit dieser Kleinheit nicht kokettieren.
Dies war und ist ein Fehler von vielen Politikern und Diplomaten.
Ich habe es immer wieder erlebt:
Selbst erfahrene Diplomaten ordneten bei Verhandlungen das Gegenüber danach ein, ob er oder sie die Schweiz liebe oder nicht.
(Ist ein Freund der Schweiz. Hat kein Verständnis für die Schweiz etc)
Immer in der Überzeugung:
- «Man muss uns einfach gernhaben.»
- «Wir sind doch so klein und besonders.»
Das ist kein Kriterium, kein Argument
- (war es allenfalls gegen über der EU, weil dort immer noch gehofft wurde, wir würden eines Tages Mitglied.)
Unsere Kleinheit imponiert den USA nicht.
Die USA haben wir als verbündeten Schwesterstaat gesehen.
(dieselbe Verfassung, derselbe Staatsaufbau)
Viele klammerten sich lieber an die USA, um sich nicht an die EU binden zu müssen.
Diese Illusion ist verflogen.
Unsere Kleinheit ist für den jetzigen Präsidenten in Washington Anlass zu Hohn und Spott.
Schon bei SiSo als sie Trump das Rotationsprinzip erklärte. Er zeigte grinsende und demütigende Verachtung.
Politik und Wirtschaft
Früher konnte ein Land wirtschaftlich stark und politisch von nicht allzu grosser Bedeutung sein. Die Schweiz ist damit recht gut gefahren.
Heute erfordert wirtschaftliche Stärke wieder einen starken politischen Hintergrund.
Die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Politik wandelten sich und wandeln sich weiter.
Aus dem Blickwinkel des ehemaligen Verkehrsministers:
Beim Eisenbahntunnel durch den Gotthard fanden sich Wirtschaft und Politik quasi in einer einzigen Person, in Alfred Escher.
Er war
- Mitbegründer der Kreditanstalt, welche den Tunnelbau finanzierte,
- Mitbegründer der ETH, welche das Know-how entwickelte,
- Gründer der Gotthardbahn - Gesellschaft selbst, und er war
- Mitglied des Nationalrates, der die gesetzliche Grundlage für die Bahn schuf.
Rund hundert Jahre später, bei der NEAT und dem Gotthardbasistunnel herrschte einePhase der Kompromisse
- zwischen NGOs und der Politik
- zwischen den Kantonen und dem Bund und vor allem:
- zwischen Wirtschaft und Politik
Die LSVA war eine Voraussetzung für das bilaterale Verkehrsabkommen. Das Verkehrsabkommen war Bedingung, dass auch die anderen sechs Abkommen in Kraft treten konnten.
Der Wirtschaftsdachverband wollte das ganze Paket der bilateralen Abkommen und also unterstütze er auch die LSVA, obwohl er kein Freund von neuen Steuern war – und ist.
(Er bezahlte deshalb eine Abstimmungszeitung des Gewerkschaftsbundes, in welcher dieser für die LSVA warb. In der gleichen Zeitung wurde eine AHV-Initiative der Gewerkschaften angepriesen,
- das die Wirtschaft zwar heftig ablehnte,
- aber durch die Bezahlung der Zeitung finanzierte er die Werbung dafür.)
Das war die Zeit einer engen Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik, zuweilen als Filz denunziert, aber auch als beispielhaft gelobt.
Verantwortliche von Unternehmungen beteiligten sich in den politischen Institutionen der Schweiz.
- Ich sass noch vor 50 Jahren mit dem Chef des Ringier Verlags im Gemeinderat Zürich
- Später im Nationalrat sass ich in der gleichen Reihe wie Peter Spälti, Konzernchef der Winterthur Versicherungen, und Ulrich Bremi (Schweizer Rück, Elektrowatt, SKA)
(nicht in der gleichen Partei, aber freundschaftlich verbunden).
Dann kam der allmähliche Wandel:
- 1996 teilte die CS die Elektrowatt auf. Ich wurde als Energieminister einbezogen.
- Fünf Jahre später, 2001, erfuhr ich als Bundespräsident und Energieminister vom Wandel der NOK eines morgens durch die neue Leuchtschrift an einer Hausfassade mit dem neuen Namen Axpo. Der Bundesrat wurde also nicht einmal orientiert.
Es gab andere Zeichen der Entfremdung.
- Auszahlungen von Boni auch bei Misswirtschaften.
- Manager von Schweizer Konzernen, die weder eine unserer Landessprachen, geschweige denn unser politisches System kannten.
- Der frühere CEO von CS höhnte öffentlich:
«Der Bundesrat versteht von der Bankenwesen nichts.»
Da stimmt sogar.
Ja, ich verstehe nichts und deshalb bin ich angewiesen auf Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Das ist das Wesen unseres politischen Systems:
Ich verstand auch nichts von Starkstromanlagen oder Autobahnen.
Aber ich liess es mir von Experten und Fachleuten, und vor allem auch von den Wirtschaftsvertretern der betroffenen Unernehmen erklären, damit ich die Vorlagen so ausarbeiten konnte, dass sie eine Mehrheit in der Volksabstimmung erhielt.
Genau gleich ist es mit dem Finanz- und Bankwesen.
Eine Zusammenarbeit zwischen W und P war möglich und muss wieder möglich werden. Sie ist eine unserer Stärken. Und sie muss reaktiviert werden.
Wir können uns nicht
- entweder mit dem Slogan «Primat der Politik» begnügen
- oder mit «Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es allen gut.»
Wer den jeweiligen Lead hat, Politik oder Wirtschaft, wer dabei wen unterstützt, hängt immer auch von den bilateralen oder multilateralen Umständen ab oder von den Handelspartnern.
Man muss das flexibel und situativ handhaben.
Zwei Beispiele:
- 2002: Besuch in den vereinigten Emiraten.
Ich war als Bundesrat Leader einer Delegation, um politisch die Tür zu öffnen, damit Verhandlungen zwischen Unternehmungen möglich wurden.
Es waren CEOs aus der Energiewirtschaft und sie waren mit meiner Energiepolitik in weiten Teilen nicht einverstanden. Trotzdem arbeiteten wir zusammen.
Beim gegenseitigen politischen Abtasten der beiden Präsidenten scharrten die CEOs ungeduldig. Sie wollten endlich zu ihren Vertragsverhandlungen schreiten. Und als mir der Scheich mit tiefem Blick sogar zuraunte:
«Wir haben ja eigentlich denselben Gott»,
wurde es einem Schweizer Manager zu bunt. Auf schweizerdeutsch, damit nur ich es verstehe, zischte er:
«Jetzt müssen wir wohl noch beten.»
Die Ergründung des kulturellen Hintergrundes, der Sitten und Gebräuche eines Landes sind Voraussetzung für jedes Business, das man in einem anderen Kulturkreis tätigen will.
- Nicht zu früh von Geld reden,
- Achtung der Tischsitten
- (die falsche Platzierung des chinesischen Präsidenten war eine diplomatische Katastrophe für die Schweiz)
- und, im Notfall, beten.
Zweites Beispiel
- 2025 Besuch der Bundespräsidentin in den USA mit dem Versuch, den Zollhammer abzuwenden:
Sie liess sich von Wirtschaftsvertretern (Partners Group) begleiten, die politisch auf der Linie Trump angesiedelt sind und die bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU bekämpfen. die Bundespräsidentin steht aber hinter diesen Verträgen.
Ihr Kalkül: Das gefällt Trump, er hört wohl eher auf EU-skeptische Wirtschaftsvertreter als auf die Politikerin.
Genutzt hat es offenbar nicht viel.
Manche sind jetzt überzeugt:
KKS hätte nicht Gantner engagieren sollen, sondern Infantino.
(Der Vortrag wurde vor dem dritten Vorfall gehalten, nämlich dem Besuch von schweizerischen Milliardären bei Trump ohne jede politische Begleitung. An diesem Treffen forderte Trump, die Schweiz müsse seine Wirtschaftssanktionen übernehmen.)
Der innere Zusammenhalt / direkte Demokratie
Unsere Konkordanzdemokratie ist eine Stärke unseres Landes.
Sie entstand nicht, weil wir ein besonders ausgleichender Menschenschlag wären.
Sie ist entstanden durch blutige Konflikte.
- Zunächst aus dem Sonderbundskrieg, einem Krieg der Konfessionen
(ein Krieg mit 100 Toten, nach welchem dank General Guisans Kriegsführung eine Versöhnung möglich war)
- Dann durch den Generalstreik, (auch er blutig, drei erschossene Arbeiter) der zum Proporzsystem führte. Dieses war auch Grundalge der späteren Einbindung aller starken Parteien in den Bundesrat.
Heute bezeichnen wir uns als Willensnation, die von Kollegialität und Konkordanz geleitet wird.
Zwar werden nach jeder Abstimmung Gräben beschworen, die unser Land durchfurchen würden
- Röstigraben, samt Frühfranzösischgraben
- Stadt - Land Graben,
- Generationengraben
- so gefährlich, dass eine Regierungsrätin (SP) und eine Meinungsforscherin zur Diskussion stellen, die Stimme von über 65-jährigen Stimmbürgern zu halbieren:
- 18–40-Jährige erhalten 2 Stimmen,
- über 65-Jährige: 1 Stimme (also die Hälfte eines 18-Jährigen).
- Gleichzeitig wird das Stimmrecht für geistig Behinderte eingeführt. (Ich hätte halb so viel Stimmgewicht wie ein 19-jähriger geistig Behinderter)
Trotz all dieser herbeigeredeten Gräben sind wir um Welten von Demokratien entfernt, wo sich Gegner hassen und nicht mehr miteinander reden können.
Wir sind kein gespaltenes Land, wie die USA, wie Frankreich, wie einige osteuropäische Länder. Die dortigen bipolaren Entwicklungen sind eine Schwäche und führen zu gegenseitigen Blockierungen (Budgetstreit USA).
Konkordanz ist nicht eine wohlfühlige Politkuschelei. Sie ermöglicht:
- Kompromisse, Umdenken, Meinung ändern.
- Freundschaften über Parteigrenzen hinweg.
- (ohne Freundschaften, keine Demokratie)
Dazu kommen all die Mechanismen, politische Machtkonzentration zu verhindern.
Machtbrechungsapparat.
(Föderalismus, Rotationen Bundespräsident, Parlaemntspräsidium)
(Zum Teil missverstanden:
Finanzzeitung in Asien: CH = instabil, weil 30 Bundespräsidenten in dreissig Jahren) etc).
Die direkte Demokratie ist ein Stabilitätsfaktor.
Gerade auch wegen den zum Teil aufwändigen Abläufen.
- Vernehmlassungsverfahren (ein Wort, das in Deutschland als Begriff unbekannt ist),
- Konsultationsverfahren,
- Differenzbereinigung und dann erst noch
- die Volksabstimmung.
Das ist kein Verlangsamungsprozess, sondern der gezielte Weg zu einem möglichen Kompromiss, der dann auch von der unterlegenen Minderheit akzeptiert werden kann.
Er verhindert Einsprachen, Widerwillen, Demonstrationen oder gar Sabotagen.
Beispiel Bahn 2000: keine einzige Einsprache durch Anwohner, weil vorher jeder einzelne konsultiert wurde und Kompromisse gefunden wurden.
So war Gotthartbasistunnel möglich.
- Vier eidgenössische Volksabstimmungen:
- Rechtzeitig und ohne Kostenüberschreitung.
- Lyon – Turin (I und F)
- oder Brenner (A).
- (Flughafen Brandenburg)
Das verinnerlicht das Wir-Gefühl in unserer Demokratie.
Sehe ich auch darin: Heute auch die Gegner des Gotthardbasistunnels stolz darauf, was sie erreicht haben.
Dieser Prozess kann nicht einfach durch die Geschwindigkeit ersetzt werden, wie sie die Digitalisierung kennt. Die Abläufe sind gezwungenermassen langsam, damit Verständnis und Kompromisse gefunden werden können.
Jedes Projekt, jedes Gesetz muss referendumstauglich sein.
Trotzdem kann unsere Demokratie auch schnell reagieren:
In Krisensituationen: Swissair, UBS, Covid.
Alle diese drei Krisen wurden zwischen Wirtschaft und Politik gemeinsam erarbeitet.
Ob die Differenz zwischen UBS und Bundesrat über Eigenkapitalisierung bereits ein Zeichen einer neuen Krise ist?
Sollte ein Kompromiss möglich sein.
Ebenfalls die Herausforderung KI:
- KI hat ein riesiges Potential:
- Energieversorgung:
- Engpässe bei kaltem Wetter.
- Koordination mit Wetterprgnosen. Etc
- Birgt auch Risiken
- Unsere Rechtsordnung bewahren, z. Bsp. Urheberrecht
- Datenschutz
- Abhängigkeit von Techfirmen
Das sind gemeinsame Aufgaben von Wirtschaft.
Die Zusammenarbeit ist unabdingbar.
Kein Alleingang
Kleine Länder können ihre eigenen Interessen nicht allein bewältigen. Deshalb bilden sich weltweit Blöcke (in Afrika, in Südostasien (Asean), die Organisation von Schanghai (SCO).
Auch autoritäre Diktaturen schliessen sich zusammen und organisieren ihre Geheimdienste.
(Nordkorea, Russland und China).
So wie ein Mensch nicht nur abgeschieden für sich leben kann, können kleine Länder sich nicht allein mit ihren Werten behaupten.
Nicht wirtschaftlich, nicht politisch, nicht militärisch, nicht kulturell.
Ihre Macht ist begrenzt.
Ein derart global vernetztes Land wie die Schweiz bleibt beeinflusst von allen Entwicklungen auf der ganzen Welt. Sie ist auf Verbündete angewiesen. Der Alleingang führt in die Isolation.
Von all den Blöcken ist uns die EU am nächsten. Geographisch und kulturell.
Schon heute antwortet BR auf Vorstösse, wie man das nationale Recht gegen KI von Google und Co schützen könne,
er warte zunächst auf das Verhalten der EU.
Die EU hat im Gegensatz zur Schweiz zumindest eine gewisse Machtposition, um Datenschutz und KI-Regelungen umsetzen.
Ob sie es tatsächlich auch kann, ist eine andere Frage.
In den USA selber scheint der Zug dafür bereits abgefahren zu sein.
Die Demokraten, welchen damals Bill Gates und andere nahestanden, haben ihnen vertraut und schufen keine Regeln, sie zu kontrollieren.)
Es ist die nicht der Anlass, für die «Bilateralen» zu plädieren.
(Obwohl ich diese unterstütze und ihre Ablehnung als einen weiteren Schritt in einen überheblichen Isolationismus empfinde.)
Es geht mir um Anstand und Verbundenheit zu unseren Nachbarn.
Sonst isolieren wir uns zunehmend und bunkern uns ein.
- Meine Erfahrungen mit EU-Ministerräten (Umwelt, Energie, Verkehr)
bei den Verhandlungen um Verkehrsabkommen.
- Die EU hat uns immer ein grosses Vertrauen entgegengebracht.
- Sie hat uns Hilfe bei den Zöllen angeboten, doch man versuchte eine Schlaumeierei in der Hoffnung, wir würden noch günstiger abschneiden als die EU.
Das stärkt die Freundschaft der EU gegenüber unserem Land nicht.
Welche Rezeptur in diesen Zeiten?
Gewünscht sind in diesen Zeiten Rezepte. Beinahe täglich erscheint ein Interview mit einer Expertin oder einem Experten für die Fragen, die die Welt umtreiben.
Die Aussagen leuchten mir oft ein, aber sie bleiben Theorie, solange nicht an die Umsetzung gedacht wird.
Da heisst es etwa:
- «Trump sollte nun…» (hört er das Rendez-vous am Mittag?) oder:
- «Putin muss man nun mal ganz klar sagen…» (ob er den Tagi liest?)
- Botschafter Borer: «Ich hätte die Verhandlungen von KKS so und so geführt.»
- Oder: sie hätte eine Taskforce bilden müssen.
Wie planbar ist Politik?
Die Parlamentsausschüsse fordern nach jeder Krise:
«Es muss nun ein genauer Plan für die Bewältigung einer nächsten Krise mit den klaren Zuständigkeiten und Abläufen erstellt werden und dem Parlament zur Genehmigung vorzulegen.»
Man hätte gerne ein Rezept, das bei der nächsten Krise hervorgezogen werden kann.
Es wird bei dieser Gelegenheit auch immer wieder gefragt, ob denn unser Modell noch funktionieren könne.
Unser „Modell» ist eben nicht ein starres Modell.
Es funktioniert dann, wenn alle Beteiligten es den äusseren Umständen entsprechend immer wieder neu interpretieren können.
Das gilt auch für die Interpretation der Neutralität. Sie wurde immer wieder neu im Interesse unseres Landes ausgelegt.
Eine starre Fixierung zum voraus kann nicht die Lösung sein.
Jede Krise ist völlig anders gelagert.
Nach dem Grounding der Swissair kam die UBS in die Krise und nach der UBS war es eine Pandemie. Heute sind es Trump und Putin.
Bei jedem der Fälle wären die Erfahrungen aus dem vorherigen untauglich gewesen, weil ganz anders gelagert. Die Planbarkeit ist beschränkt. Wir müssen uns stets neu orientieren. Auch während der Verhandlungen mit anderen Staaten.
Beispiel bilaterales Verkehrsabkommen, das Bedingung war für alle anderen sechs Bilateralen auch.
Am Schluss Frankreich mit der Forderung nach Verbot des Weines Champagne. Dann:
- Ich zu Swissair,
- Couchepin zu den Weinbauern
Die gemeinsame Bewältigung einer neuen Schwierigkeit wird dann erleichtert, wenn die Zusammenarbeit eingeübt ist. Eine solche kollektive Identität hat die Schweiz mehrfach bewiesen. Sie soll sich nicht mit Reglementierungen fesseln. Diese hindern dann nur die Kreativität.
Sie soll sich im Bewusstsein ihrer Kleinheit auf ihre Stärken besinnen, diese flexibel und konsensual den Zeiten anpassen.
Sie kann das, weil sie es muss. Aber sie muss es wollen.

